Gastarbeiter – Ein Mensch als Gast

FarbenIm direkten Verhältnis zu Gastarbeitern stehend liegt es offensichtlich auf der Hand, dass sich viele Bürger des damals werbenden Staates nicht mit dem Begriff des „Gastarbeiters“ anfreunden kann. Die damaligen Gäste sind mittlerweile Staatsbürger, aber erläutern will ich primär die Lebenssituation der türkischen Gastarbeiter in Österreich. Viele dieser „Gastarbeiter“, die man auch „Zeitarbeiter“ nennen könnte, sind nicht gekommen, damit sie dann in diesem Land bleiben. Die Lebensumstände haben nach der Frage der Integration und Anpassung gedrängt, denn einige Jahr nach der Ankunft wurde klar, der Lebensmittelpunkt wandert mit der Zeit immer mehr nach Österreich.

Die Gastarbeiterwanderung steht im historischen Konnex mit dem Wiederaufbau der österreichischen Wirtschaft gegenüber. Der Marshallplan, offiziell European Recovery Program, bescherte eine ausländische Wirtschaftshilfe in hohen Summen, weswegen auch gegen Ende der fünfziger Jahre das Wirtschaftswachstum kaum zu bremsen war, mit einer stetigen und konstanten Steigung. In den sich neu bildenden Industriestaaten wuchs die Nachfrage an Arbeitskräften – in dieser Zeit wurde auch die Infrastruktur, speziell der Fernverkehr, revolutioniert. Der Ruf nach zusätzlichen Arbeitskräften wurde immer lauter, die erste Geburtsstunde der neuen Gastarbeiter, da sich die Aufgabe der Frauen auf die Erziehung der Kinder beschränken sollte.

Fahrt doch zurück, wenn die Heimat so schön, toll und einladend ist.

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Occupy Gezi – Diren Gezi | Teil 2

DemonstrationDie Ansichtsweise hängt von der Parteizugehörigkeit ab, bei manchen wird diese durch die politische Gesinnung verändert, bei anderen durch die religiöse Haltung oder eben auch durch herkunftsabhängige Gedanken. In allen Fällen werden Böse und Gute gegenüber gestellt, Opferrollen verteilt und Übergriffe vertuscht. Dass es in der Türkei viele offene problematische Themen gibt, darüber braucht keiner zu schweigen, da sie öffentlich bekannt sind. Doch mit der Zeit nervt es, durch Vorurteile geprägte Rollenverteilungen zu unterstützen, ohne die, bloß durch die Medien berichteten, Tatsachen zu hinterfragen. In den westlichen Augen sind die Guten natürlich die Demonstranten, die für Demokratie kämpfen und der willkürlichen Gewalt der Polizisten, nein, der Armee, ausgesetzt sind. Diese bösen Polizisten und Soldaten sind vom genauso bösen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan beauftragt, die Aufständigen brutal niederzuschlagen.

Gut gegen Böse.

Die bloß friedlichen Demonstranten gegen die bewaffnete Armee, wie soll das bloß nur ausgehen? Als würde das nicht reichen, haben die Wasserwerfer im Tank ein Chemikaliengemisch, um die Demonstranten sofort außer Gefecht zu setzen. Nicht nur Frauen wurden verprügelt, sondern auch Kinder, Rechtsanwälte, die auf der Seite der Demonstranten waren, aber auch bloße Baumschützer. Hotels und Krankenhäuser wurden gestürmt, um die geflüchteten Demonstranten zu verhaften. Die Ärzte, die sich bereiterklärt haben, die Verletzten zu versorgen, wurden ebenso verhaftet. Eine bodenlose Frechheit, obwohl sie alle doch zu den Guten gehören?

Aus welchem Grund haben die Medien nicht von den Faschingsärzten berichtet, die sich als Ärzte verkleidet haben, obwohl sie eigentlich einen anderen Beruf ausüben und keinerlei medizinische Ausbildung haben? Als Beispiel fällt mir da ein Sänger mit kurdischen Wurzeln und mäßigem Erfolg ein, der zwar in Ärztekittel mit Blutflecken festgenommen wurde, allerdings kein Arzt ist oder diverse regionale Politiker der Opposition.

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Türkei, Erdogan und Alkohol

Erdbeer in ProseccoHeutzutage lässt man sich entspannt von der Medienlandschaft blenden, anstatt sich selbst Wissen anzueignen, von zuverlässigen Quellen, so auch die gut informierten Menschen, die Erdogan mit einem Alkoholverbot in Verbindung bringen. Erdogan soll hier in diesem Fall keineswegs beschützt werden, noch von mir assistiert, noch arbeite ich in seiner Presseabteilung – doch Unwissen macht mich allergisch. In diesem Fall ist Unwissen falsch, eher ein falsches Wissen, gehört vom Nachbarn, weitergegeben an die Freunde. Prost, auf Erdogan, angestoßen wird natürlich mit Raki, um 23:30. Doch wo sollen wir kurz vor Mitternacht Raki einkaufen?

Doch bevor die Reise in die weite Ferne geht, bleiben wir vorerst in Europa, die Nachbarländer laden uns herzlichst ein. Die Reise geht nach Deutschland, unserem Lieblingsnachbarland, in Fußball kann Österreich dem „großen Bruder“ nur nacheifern, in anderen Bereichen ist es allerdings genau umgekehrt. In Baden-Württemberg ist seit 1. März 2010 der nächtliche Verkauf von Alkohol an Tankstellen, Supermärkten und Kiosken verboten. Genau genommen ist der Zeitraum zwischen 22.00 und 05.00 betroffen. Als Grund gab Innenminister Heribert Recht (CDU) an, dass dadurch der übermäßige Alkoholkonsum gedämpft und dadurch nächtlichen Aggressions- und Gewaltszenen ein Ende gesetzt wird. Auch am Nürnberger Hauptbahnhof ist es verboten, in den Nächten vor Samstag und Sonntag und vor Feiertagen Alkohol zu konsumieren. In Deutschland wurden viele weitere Alkoholverbotszonen ins Leben gerufen, die zu einem großen Teil die öffentlichen Plätze abdecken. Dass diese Verbotszonen vor Gericht anfechtbar sind, hat uns bereits die Vergangenheit gezeigt, wie zum Beispiel HIER.

Unsere Reise geht weiter, weiter nördlich, diesmal nach Schweden. Auch wenn der 7. Juni 2013 für sie ein schwarzer Tag war und sie seitdem auf Österreich nicht sonderlich gut anzusprechen sind – Schweden hat ein strenges Konzept, was den Verkauf von Alkohol bekommt. Hochprozentiges (> 3,5%) bekommt man nur in Systembolaget, sprich, nach Ladenschluss ist Schluss. Danach besteht noch die Möglichkeit an Tankstellen oder in Supermärkten Bier (folköl) oder Cider (max. 3,5%) erwerben. Der Verkauf von alkoholischen Getränken ist ein Staatsmonopol.

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Occupy Efgani – Der Tag danach.

Es war von Anfang ersichtlich, zumindest für mich, dass es sich bei dieser Stellungnahme um ein gut überlegtes „Marketingkonzept“ handelt, um den eigenen Namen in den Medien zu hören und zu lesen, nicht nur in Österreich, sondern auch in der Türkei – ein Egopush scheint ihm gut zu tun, schlussendlich konnte er seine arrogante Art nicht mehr bändigen, schade eigentlich, für einen Mann seiner Größe. Wer schon argumentiert, dass er ein gefragter Politiker ist, nur weil er zu einige Stellungnahmen und Interviews eingeladen worden ist, hat solche Aussagen auch bitter nötig. Einige genießen ihren Erfolg und die anderen sprechen über ihren Erfolg, dem sie nachrennen. Verbittert.

Eines hat Efgani Dönmez durch seine geplante provokative Aussage erreicht, die Medienlandschaft dreht sich um ihn, aber auch nur sie. Die eigenen Parteikollegen distanzieren sich weiterhin von ihm und seinen Beiträgen, gestern wurde HIER ausführlich darüber berichtet, auch die Personen, die ihn bisher unterstützt haben, scheinen ihm den Rücken zu kehren.

Passen zum Thema gab es im ZIB24-Studio (ORF EINS) eine im vorhinein hoch angepriesene Diskussionsrunde zwischen dem grünen Bundesrat Efgani Dönmez und Fatih Köse von der Plattform „Pro Erdogan“. Die Erwartungshaltung war hoch, zumindest von meiner Seite, da die beiden Parteien auf der (öffentlich zugänglichen) Facebookseite (solange man nicht von ihm blockiert wird) von Efgani Dönmez eine hitzige Debatte geführt haben, die leider etwas ausgeartet ist und am Ende sehr persönlich wurde.

Fatih Köse Kommentar

[…] Und das ist noch nicht alles Herr Dönmez – andere Zeitungen/Gesprechsrunden/Sender folgen noch […] Wir werden uns wehren und nicht erlauben das FALSCHMELDUNGEN und „Leute wie Sie“ die Ereignisse i.d. Türkei falsch hinstellen, gar sogar die Wahrheit verdrehen! […]

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Occupy Efgani – Demokratisierung seiner Meinung

Die Forderung von Grundrechten und einer Demokratisierung seitens der türkischen Regierung prägt seit Wochen die österreichische Medienlandschaft. Einige Vereine hüpfen auf den dahinrollenden Zug, wollen Medienpräsenz zeigen und auf sich aufmerksam machen. Doch nicht nur Vereine, viele Parteien haben sich auch schon mobilisiert – einige treten geschlossen auf, unterstreichen die Parteiinteressen, andere wiederum wirken gegeneinander. Ein „grüner“ Politiker macht auf sich aufmerksam, seine vergangenen Versuche in den letzten paar Wochen sind leider gescheitert, auch ihm will man den Erfolg gönnen. Wir freuen uns mit dir Efgani.

Efgani Dönmez, ein bereits bekannter Freizeithistoriker, hat sich in den letzten Wochen auf seiner (öffentlich zugänglichen) Facebookseite besonders durch seine Hetzkampagnen und einseitig religiös verfassten Stellungnahmen ausgezeichnet. Die meisten Politiker vergessen meistens nach getätigten Aussagen bereits wieder den Inhalt, auch Efgani.

Ein Zitat aus einem Interview, veröffentlicht in den OÖNachrichten, vom 13. Juni 2013.
OÖN Efgani Dönmez

Ich fühle mit den Demonstranten, weil ich mit ihnen viele Werte teile: Auch ich habe eine säkuläre und liberale Grundeinstellung.

Wir fühlen alle mit Demonstranten, die friedlich ihre Meinung kundtun wollen, schlussendlich leben wir im Zeitalter der Meinungsfreiheit – wir kommen darauf zurück. Auch wenn wir andere Meinungen nicht teilen können, sind wir verpflichtet, diese zu respektieren. Eine Demonstration hat Erfordernisse, wie auch Schranken und das nicht nur in Österreich. Als Austro-Türke fühle ich auch mit ihm, er scheint unter einer Identitätskrise zu leiden, zwischen Österreich und der Türkei. Pardon, dem alevitischen Teil der Türkei. Ein Mann seiner Größe, der sich für Meinungsäußerungsfreiheit einsetzt, dies auch noch groß auf seiner (öffentlich zugänglichen) Facebookseite posaunt, kann sich doch kein Fauxpas leisten, quasi ein Eigentor?

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Bosporus – Brücke zwischen Orient und Okzident

Als weltweit einzigste Stadt wird Istanbul vom Bosporus geteilt, auf zwei Kontinenten liegend, könnte man dass auch als Metapher für die kulturelle Entwicklung heranziehen. Während Istanbul aktuell mit dem Hashtag #occupygezi in Verbindung gebracht wird, laufen die Planungen für die dritte Bosporusbrücke, benannt nach Yavuz Sultan Selim, einem rüden osmanischen Herrscher.

Passend zu diesem Thema veröffentlichte Efgani Dönmez, „grüner“ Abgeordneter zum österreichischen Bundesrat, auf seiner öffentlich zugänglichen Facebookseite, noch vor #occupygezi, folgende Meldung

Die fertiggestellte 3.Brücke in Istanbul wurde nach Yavuz Sultan Selim benannt, einem osmanischen Massenmörder, welcher zu tausenden Angehörige von Minderheiten verfolgen und hinrichten lies. Kann sich jemand im 21.Jhdt. vorstellen, dass ein öffentlicher Platz in Österreich nach Adolf Hitler benannt wird?

Wir könnten mit einem Gewinnspiel anfangen: Wer findet in kürzester Zeit die meisten Fehler?

Die Bauarbeiten wurden mit Ende Mai begonnen, zum 560. Jahrestag der Eroberung Konstantinopels. Benannt wurde die Brücke nach dem osmanischen Herrscher Yavuz Sultan Selim, der den Beinamen „der Grausame“ trägt. Aus einheitlichen Quellen wird er diesem Beinamen gerecht – seine Brüder und Neffen mussten daran glauben, da sie auf Befehl Selims hingerichtet wurden. Brudermord als Institution, aber auch Vatermord wird in der Geschichte schon zu viel früheren Zeitpunkten ausgeübt.

  • Als Beispiel fällt mir an dieser Stelle Ödipus ein, der seinen eigenen Vater tötet und daraufhin seine leibliche Mutter heiratet (allerdings in Unkenntnis).
  • Das 1. Buch Mose erzählt, wie Kain Abel erschlägt und daraufhin verbannt wird.

Yavuz Sultan Selim veranlasste natürlich die Verfolgung und Hinrichtung der Minderheiten, aus diesem Grund konnte er auch innerhalb von 8 Jahren die Fläche des Osmanischen Reiches von 2,4 Millionen Quadratkilometern auf 6,6 Millionen steigern – den Minderheiten sei Dank. Der besagte „Geschichtslehrer“ Dönmez meint wohl die Schlacht bei Caldiran, die ursprünglich gegen Safawiden gerichtet war, allerdings von den Aleviten (40.000) unterstützt wurden. An dieser Stelle bleibt auch zu erwähnen, dass das nicht der erste Krieg zwischen Sunniten und Schiiten war. Das Osmanische Reich hat in diesem entscheidenden Kampf gewonnen.

Wenn es nach dieser Auffassung geht, gab es in jedem Krieg mehrere Massenmörder – diese Frage habe ich persönlich an ihn gestellt, er konnte und wollte mir allerdings nicht antworten. Sicher nur Zufall. Der indirekte Vergleichsversuch mit Adolf Hitler ist allerdings mehr als unter der Gürtellinie, sehr unpassend und eine Beleidigung der nationalsozialistischen Opfer.

Dass es hier nicht Minderheiten geht, liegt auf der Hand. Als ein grüner Politiker ist ihm die Natur besonders wichtig, allerdings frage ich mich, wieso die Diskussion beim Namen der Brücke angesetzt wird und die abgeholzten Waldstücke nicht im geringsten thematisiert wird? Es ist auch sicherlich ein Zufall, dass versucht wird, die alevitische Gemeinde zu mobilisieren und in Richtung Wahlkampf denkend, die Stimmzettel für sich zu beanspruchen.

Occupy Gezi – Diren Gezi | Teil 1

Park

Seit über zwei Wochen sind die Begriffe Istanbul, Taksim, Gezi,  „friedliche“ Demonstranten, „Diktator“ Erdogan, kaltblütige Polizei, Tränengaseinsatz, Auftragsmorde, Festnahmen – als bloße Schlagworte – in den wahrlich glaubhaften Medien stark verankert. Unabhängig davon, dass tagtäglich dieselben Bildmaterialien und Informationen wiederholt werden, freut man sich über ausgefüllte Sendezeiten, gesetzte Zeitungsseiten, aber auch über bodenlose Propagandamittel, falls man sie natürlich entdeckt. Wir sind doch nicht ganz naiv oder?

Mittlerweile finden Proteste statt, die von allen möglichen Gruppierungen und Vereinigungen organisiert werden und das weltweit. Die ursprüngliche Problematik dreht sich um einen Park, mitten in Istanbul – eigentlich um die Bäume im Park, wenn man die ersten Demonstranten ernst nimmt. Wir halten fest, ein Stadtpark in Istanbul, namentlich genannt gezi parki. Bevor die Emotionen aufkochen, will ich den Geschichtslehrer spielen, obwohl bereits ein grüner Politiker im österreichischen Bundesrat auf eine peinliche Art und Weise an dieser Aufgabe gescheitert ist.

Ein großer Teil des Parkareals wurde knapp 400 Jahre als armenischer Friedhof benutzt, 1930 erfolgte die endgültige Zerstörung des Friedhofs, mit dem anschließenden Bau des Stadtparks, geplant von Henri Prost. Die abgetragenen Grabsteine wurden, zumindest nach einigen Quellen, für den Bau wiederverwendet. Nach einer 15-jährigen Umgestaltung hatte „unser“ Stadtpark allerdings ganz andere Flächenmaße, mit der Zeit mussten Parkflächen Hotelbauten weichen – ist die aktuelle Demonstrationswelle also gar nicht neu, sondern ein Aufleben von alten Emotionen? Schlussendlich wurden auch damals Bäume gefällt, Grünflächen abgetragen, wer hat damals die Stimme erhoben und gegen die damalige Regierung protestiert? Spätestens an dieser Stelle wird es Zeit, den damaligen Ministerpräsidenten (übrigens auch den ersten) und Vertrauten Atatürks Ismet Inönü zu erwähnen. Eröffnet wurde dieser Park mit dem Namen Inönü gezi parki. Klingelt es?

Nach dieser Erläuterung stellt sich erneut die Frage, geht es von Anfang an wirklich um die Natur und um die Bäume, oder sind andere politische Aspekte im Spiel? Die Rede ist hier nicht vom arabischen Frühling. In der Türkei ist der Frühling bald vorbei, sommerliche Temperaturen locken bereits die ersten Touristen, der türkische Sommer kommt.

#occupysummer