Quo vadis Aegyptus – Teil 2.

30. Juli 2013. Über 300.000 Menschen haben für den Rücktritt des Präsidenten die Straßen und Plätze in Kairo besetzt, diesmal als rückwirkender Demokratisierungsprozess. 5 Tage später halten wir fest, nicht nur Verletze beklagen sich, sondern auch die Familien und Angehörige der Toten. Demonstriert wird auf beiden Seiten, die Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi gehorchen der Muslimbrüderschaft auf den Aufruf zum „Freitag der Ablehnung“. Arabische Medien berichten davon, dass Versuche gestartet wurden, Mursi aus der Gefangenschaft zu befreien, indem sie das Militärgebäude stürmen. Wie auch in der Türkei vor einigen Wochen, kommt Tränengas zum Einsatz – weshalb wird darüber geschwiegen und nicht gleichermaßen propagiert? Wenn die mit Schlagstöcken und Messern ausgestatteten Anhänger der Muslimbrüder friedlich zu kategorisieren wären, könnte man dies auch in Analogie zu #occupygezi anwenden – diese Demonstraten waren auch beispielsweise mit Pflastersteinen bewaffnet.

5. Juli 2013. Der friedliche „Freitag der Ablehnung“ hat den Sinn verfehlt, am Nachmittag kam es zu Straßenschlachten zwischen den Anhängern beider Parteien. Während sich der ägyptische Außenminister bemüht, den Militärputsch friedlich nach außen zu vermarkten, vorallem dem wichtigsten strategischen Partner Amerika, widerspricht die Realität immer mehr seinen Aussagen. Die anfänglich demokratisch gwählte Partei Mursis agierte zwar immer undemokratischer, aber ist es wiederum undemokratisch, ihn dafür gewaltsam zur Rechenschaft zu ziehen? Diese und ähnliche rhetorische Fragen müssen geklärt werden, um die Situation genau analysieren zu können. Dass Mursi während seiner Amtszeit vorrangig damit beschäftigt war, sein Amt und seine Macht zu sichern und diese auszubauen, ist kein Geheimnis. Dadurch blieben viele andere Bereiche unberührt, obwohl die Bevölkerung primär Besserungen erwartete, vorallem in der Wirtschaft.

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