Märtyrer, Demokratie und Militärputsch

8. Juli 2013. Es war zu erwarten, dass sich die Situation nicht beruhigen wird. Die Bevölkerung und das Land ist dabei, schleichhaft den Weg in eine Identitätskrise zu ebnen. Am Anfang waren die Ägypter, nicht die Muslimbrüder, auch nicht die Islamisten. Vor 1000 Jahren erarbeitete sich das Alte Ägypten einen besonderen Platz im Identitätsbewusstsein der mordernen islamischen Elite, dabei wurde die Kultur der Pharaonen als Gegenkultur zur westlichen Welt dargeboten – ein Zeichen für ein wachsendes Nationalbewusstsein. Dem heutigen Ägypten steht die selbe Zukunft bevor, wie einem Großteil der Migranten – die ursprüngliche Vergangenheit verbleibt bloß als Tourismusmagnet, als die bedeutendste Einnahmequelle des Landes, doch leider nicht als ein Teil Ägyptens. Einzige Zeugen der Geschichte bleiben wohl die Banknoten, die islamische und altägyptische Denkmäler zeigen, und die wenigen Menschen, die sich damit beschäftigen, wie zum Beispiel Husayn Fawzi, mit seinem Werk „Der ägyptische Sindbad“.

Die Bevölkerung forderte in der Vergangenheit ein demokratisches Mitspracherecht, nach europäischen Prinzipien und Vorstellungen oder nahmen sie bloß aufgrund ihrer Unzufriedenheit an den Demonstrationen teil? Ein Jahr später ist die damals beglückte Bevölkerung wieder auf den Straßen, ein bizarrer Widerspruch – sie unterstützen nunmehr das Militär. Ein Militärputsch stürzte den Präsidenten, der zuvor demokratisch gewählt worden ist und die Bevölkerung jubelt auf den Straßen – der Verdacht besteht, dass die Demokratiereife noch nicht erlangt wurde. Es ist vielmehr ein langwieriger Prozess, nicht nur mit Fortschritten, sondern auch mit Rückschlägen, doch mit stetiger Weiterentwicklung. Die Entwicklungen der letzten Zeit haben dazu geführt, dass der Machtkampf nun auf die Straßen verlagert wurden, ein Kampf zwischen wirschaftlichen und machpolitischen Interessen. Doch der Kampf richtet sich nicht nur gegeneinander, sondern auch gegen die Heimat, dessen Interesse sie vertreten wollen, aber auch gegen die Nachbarländer. Am Sonntag wurde beispielsweise die Gaspipeline nach Jordanien Opfer der Unruhen. Verantwortlich für diesen Angriff zeigt sich eine extremistische Gruppierung.

Continue reading

Occupy Efgani – Der Tag danach.

Es war von Anfang ersichtlich, zumindest für mich, dass es sich bei dieser Stellungnahme um ein gut überlegtes „Marketingkonzept“ handelt, um den eigenen Namen in den Medien zu hören und zu lesen, nicht nur in Österreich, sondern auch in der Türkei – ein Egopush scheint ihm gut zu tun, schlussendlich konnte er seine arrogante Art nicht mehr bändigen, schade eigentlich, für einen Mann seiner Größe. Wer schon argumentiert, dass er ein gefragter Politiker ist, nur weil er zu einige Stellungnahmen und Interviews eingeladen worden ist, hat solche Aussagen auch bitter nötig. Einige genießen ihren Erfolg und die anderen sprechen über ihren Erfolg, dem sie nachrennen. Verbittert.

Eines hat Efgani Dönmez durch seine geplante provokative Aussage erreicht, die Medienlandschaft dreht sich um ihn, aber auch nur sie. Die eigenen Parteikollegen distanzieren sich weiterhin von ihm und seinen Beiträgen, gestern wurde HIER ausführlich darüber berichtet, auch die Personen, die ihn bisher unterstützt haben, scheinen ihm den Rücken zu kehren.

Passen zum Thema gab es im ZIB24-Studio (ORF EINS) eine im vorhinein hoch angepriesene Diskussionsrunde zwischen dem grünen Bundesrat Efgani Dönmez und Fatih Köse von der Plattform „Pro Erdogan“. Die Erwartungshaltung war hoch, zumindest von meiner Seite, da die beiden Parteien auf der (öffentlich zugänglichen) Facebookseite (solange man nicht von ihm blockiert wird) von Efgani Dönmez eine hitzige Debatte geführt haben, die leider etwas ausgeartet ist und am Ende sehr persönlich wurde.

Fatih Köse Kommentar

[…] Und das ist noch nicht alles Herr Dönmez – andere Zeitungen/Gesprechsrunden/Sender folgen noch […] Wir werden uns wehren und nicht erlauben das FALSCHMELDUNGEN und „Leute wie Sie“ die Ereignisse i.d. Türkei falsch hinstellen, gar sogar die Wahrheit verdrehen! […]

Continue reading

Occupy Efgani – Demokratisierung seiner Meinung

Die Forderung von Grundrechten und einer Demokratisierung seitens der türkischen Regierung prägt seit Wochen die österreichische Medienlandschaft. Einige Vereine hüpfen auf den dahinrollenden Zug, wollen Medienpräsenz zeigen und auf sich aufmerksam machen. Doch nicht nur Vereine, viele Parteien haben sich auch schon mobilisiert – einige treten geschlossen auf, unterstreichen die Parteiinteressen, andere wiederum wirken gegeneinander. Ein „grüner“ Politiker macht auf sich aufmerksam, seine vergangenen Versuche in den letzten paar Wochen sind leider gescheitert, auch ihm will man den Erfolg gönnen. Wir freuen uns mit dir Efgani.

Efgani Dönmez, ein bereits bekannter Freizeithistoriker, hat sich in den letzten Wochen auf seiner (öffentlich zugänglichen) Facebookseite besonders durch seine Hetzkampagnen und einseitig religiös verfassten Stellungnahmen ausgezeichnet. Die meisten Politiker vergessen meistens nach getätigten Aussagen bereits wieder den Inhalt, auch Efgani.

Ein Zitat aus einem Interview, veröffentlicht in den OÖNachrichten, vom 13. Juni 2013.
OÖN Efgani Dönmez

Ich fühle mit den Demonstranten, weil ich mit ihnen viele Werte teile: Auch ich habe eine säkuläre und liberale Grundeinstellung.

Wir fühlen alle mit Demonstranten, die friedlich ihre Meinung kundtun wollen, schlussendlich leben wir im Zeitalter der Meinungsfreiheit – wir kommen darauf zurück. Auch wenn wir andere Meinungen nicht teilen können, sind wir verpflichtet, diese zu respektieren. Eine Demonstration hat Erfordernisse, wie auch Schranken und das nicht nur in Österreich. Als Austro-Türke fühle ich auch mit ihm, er scheint unter einer Identitätskrise zu leiden, zwischen Österreich und der Türkei. Pardon, dem alevitischen Teil der Türkei. Ein Mann seiner Größe, der sich für Meinungsäußerungsfreiheit einsetzt, dies auch noch groß auf seiner (öffentlich zugänglichen) Facebookseite posaunt, kann sich doch kein Fauxpas leisten, quasi ein Eigentor?

Continue reading