Ehrenmorde und sexuelle Übergriffe

Schutz der KöniginUnter normalen Umständen wird im Fall eines Ehrenmordes wochenlang in den Medien die Thematik zerkaut, natürlich auch auf die Türkei ausgeweitet und schlussendlich auch noch im Islam die Fehler gesucht, wo sonst. Die Hauptgründe der gesellschaftlichen Probleme liegen in einer eigentlich friedlichen Religion und einem in der Ferne liegenden Kultur. Dass Ehrenmorde direkt mit der Türkei in Verbindung gebracht wird, aber auch mit dem Islam, zeigt wieder die Naivität mancher Gehirne. Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss die Frage nach der Anzahl der Familientragödien gestellt werden, die nicht mit den zwei „Hauptgründen“ in Verbindung gebracht werden können. Sinn und Zweck ist nicht die Beschönung von Straftaten, sondern die bewusste gesellschaftliche Betrachtungsperspektive, die von Vorurteilen geprägt ist.

Oft konnte man in den Medien lesen, dass ein Familienvater (Josef) seine Frau (Maria) und seine Kinder zuerst ermordet, danach Suizid begangen hat. Natürlich ein mit nicht-türkischer Herkunft, da es eine Familientragödie ist. Als Motiv oder Ursache dieser Tragödie wird genannt, dass Ermittlungen laufen – vermutet werden oft familiäre Streitpunkte wie beispielsweise Schulden, Auseinandersetzung des Paares oder psychologische Störungen beim Täter. Heißt der Täter jedoch Mehmet, die Frau Ayse, kann es nur ein Ehrenmord sein, ob die Ermittlungen in selben Ausmaß stattfinden, sei dahingestellt, hier ist die Rede von einer Berichterstattung, die von Vorurteilen geprägt ist und falsche Rollenbilder weitergeben, manchmal bewusst, manchmal unbewusst, weil man schon selbst Opfer dieser Gedanken ist. Auf jeden Fall ist mir kein Fall bekannt, der zuerst als Ehrenmord kategorisiert, später aber die Persönlichkeit des Täters in Frage gestellt wurde. Was unterscheidet Josef von Mehmet? Nichts, beide haben Menschen getötet.

Die Unterscheidung zwischen Beziehungstat und Ehrenmord ist genauso sinnvoll wie zwischen Josef und Mehmet, die jeweilige Kehrseite einer Münze.

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