Die Mütter von Srebrenica – Teil 1

Mögen die Tränen der Mütter zum Gebet werden, damit Srebrenica nie wieder geschieht, niemandem und nirgendwo.

18 vergangene Jahre – die hinterbliebenen Familien versorgen immer noch ihre Wunden, doch der Hass unter den Ethnien ist größer als der Wille, die Vergangenheit gemeinsam aufzuarbeiten, ohne Schuldsprüche zu unterstreichen. Die Vergangenheit zeigt immer wieder auf, wie man Bewegungen rassistisch motivieren und mittels Vorurteilen noch kräftig würzen kann.

Srebrenica ist nicht bloß eine Stadt in Bosnien und Herzegowina. Srebrenica ist vielmehr, Srebrenica erzählt Geschichten. Das Gebiet rund um Srebrenica war nie von einer ruhigen und friedlichen Zeit heimgesucht, ob es während der osmanischen Herrschaft war oder in den beiden Weltkriegen, in den Geschichtsbüchern ist Srebrenica im Schlagwortverzeichnis auf jeden Fall zu finden. Doch während des Bosnienkrieges ereigneten sich unvorstellbare Szenen ab, teilweise sogar unter der UN-Beobachtung. Ein Massaker, eine systematische Hinrichtung von Menschen, geplant und ausgeführt, das schlimmste Vergehen gegen die Menschheit seit dem zweiten Welkrieg. Unter dem Kommando von General Ratko Mladić überrannten die Serben die UN-Schutzzone Srebrenica.

Die Vereinten Nationen und ihr Schutz. Am 16. April 1993 wird vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Resolution 819 verabschiedet, da sich die Lage rund um Srebrenica immer mehr verschärfte. Gefordert wurde die Anerkennung der Region als safe area, mit der zukünftigen Unterlassung aller Angriffe. Der Resolution 819 folgte noch 824 und 836, mit dem Zweck der Unterstreichung der Forderung. Die ersten 170 UNPROFOR-Soldaten kamen aus Kanada, Dutchbat I, eine niederländische Bataillon im März, abgelöst von Dutschbat II und III. Der eigentliche Sinn und Zweck misslingte von Anfang an. Die Staaten, die Truppen für die Schutzzone stellten, hatten Angst um die Sicherheit ihrer Soldaten und verneinten die Anwendung von Gewalt gegen bosnische Serben, die wiederum in der Schutzzone ihre geplanten Feldzüge durchführen durften.

[…] durch gut geplante und durchdachte Militäroperationen eine unerträgliche Lage völliger Unsicherheit in der Schutzzone Srebrenica herbeizuführen. Den Eingeschlossenen sollte keine Hoffnung auf Überleben oder Leben in der Schutzzone gelassen werden […]

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Die Rosen von Sarajevo

Der anfängliche Zerfall der sozialistisch angehauchten Föderation Jugoslawien führte dazu, dass die Spannung zwischen den von unterschiedlichen Ethnien bewohnten Gebieten immer größer wurde, besonders in Bosnien und Herzegowina. Dieser sogenannte Bosnienkrieg, der zwischen 1992 und 1995 stattfand, führte in dieser Zeit unter anderem auch zur Belagerung Sarajevos. Während sich ein großer Teil der Serben für einen Verbleib in der Föderation einsetzte, wirtschafteten beispielsweise die Bosniaken in Richtung Unabhängigkeit. Das Referendum über die Unabhängigkeit der Republik Bosnien und Herzegowina entfachte die Auseinandersetzung, gefolgt von der Anerkennung dessen durch westliche Staaten.

etničko čišćenje

Der Bosnienkrieg, die ethnischen Unabhängigkeitskämpfe und die nationalistischen Gruppierungen – der gesamte Zeitraum wird vom Begriff der ethnischen Säuberungen beschattet. Es war nicht die erste ethnische Säuberung, vermutlich auch nicht die letzte. Der Verlauf der Türkenkriege oder der kaltblütige Feldzug von General Lothar von Trotha in Namibia.

Im April 1992 begann die Belagerung von Sarajevo durch die bosnischen Serben und war mit der Dauer von 1425 Tagen die längste Belangerung des 20. Jahrhunderts. Als eine weitere Anstachelung ist der Angriff des bosnischen Soldaten Ramiz Delalić zu werten, der auf einer Hochzeit um sich schoss, damit auch den Serben Nikola Gardovic in den Tod riss.

Bombardiert sie, bis sie wahnsinnig werden.

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Occupy Efgani – Demokratisierung seiner Meinung

Die Forderung von Grundrechten und einer Demokratisierung seitens der türkischen Regierung prägt seit Wochen die österreichische Medienlandschaft. Einige Vereine hüpfen auf den dahinrollenden Zug, wollen Medienpräsenz zeigen und auf sich aufmerksam machen. Doch nicht nur Vereine, viele Parteien haben sich auch schon mobilisiert – einige treten geschlossen auf, unterstreichen die Parteiinteressen, andere wiederum wirken gegeneinander. Ein „grüner“ Politiker macht auf sich aufmerksam, seine vergangenen Versuche in den letzten paar Wochen sind leider gescheitert, auch ihm will man den Erfolg gönnen. Wir freuen uns mit dir Efgani.

Efgani Dönmez, ein bereits bekannter Freizeithistoriker, hat sich in den letzten Wochen auf seiner (öffentlich zugänglichen) Facebookseite besonders durch seine Hetzkampagnen und einseitig religiös verfassten Stellungnahmen ausgezeichnet. Die meisten Politiker vergessen meistens nach getätigten Aussagen bereits wieder den Inhalt, auch Efgani.

Ein Zitat aus einem Interview, veröffentlicht in den OÖNachrichten, vom 13. Juni 2013.
OÖN Efgani Dönmez

Ich fühle mit den Demonstranten, weil ich mit ihnen viele Werte teile: Auch ich habe eine säkuläre und liberale Grundeinstellung.

Wir fühlen alle mit Demonstranten, die friedlich ihre Meinung kundtun wollen, schlussendlich leben wir im Zeitalter der Meinungsfreiheit – wir kommen darauf zurück. Auch wenn wir andere Meinungen nicht teilen können, sind wir verpflichtet, diese zu respektieren. Eine Demonstration hat Erfordernisse, wie auch Schranken und das nicht nur in Österreich. Als Austro-Türke fühle ich auch mit ihm, er scheint unter einer Identitätskrise zu leiden, zwischen Österreich und der Türkei. Pardon, dem alevitischen Teil der Türkei. Ein Mann seiner Größe, der sich für Meinungsäußerungsfreiheit einsetzt, dies auch noch groß auf seiner (öffentlich zugänglichen) Facebookseite posaunt, kann sich doch kein Fauxpas leisten, quasi ein Eigentor?

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Bosporus – Brücke zwischen Orient und Okzident

Als weltweit einzigste Stadt wird Istanbul vom Bosporus geteilt, auf zwei Kontinenten liegend, könnte man dass auch als Metapher für die kulturelle Entwicklung heranziehen. Während Istanbul aktuell mit dem Hashtag #occupygezi in Verbindung gebracht wird, laufen die Planungen für die dritte Bosporusbrücke, benannt nach Yavuz Sultan Selim, einem rüden osmanischen Herrscher.

Passend zu diesem Thema veröffentlichte Efgani Dönmez, „grüner“ Abgeordneter zum österreichischen Bundesrat, auf seiner öffentlich zugänglichen Facebookseite, noch vor #occupygezi, folgende Meldung

Die fertiggestellte 3.Brücke in Istanbul wurde nach Yavuz Sultan Selim benannt, einem osmanischen Massenmörder, welcher zu tausenden Angehörige von Minderheiten verfolgen und hinrichten lies. Kann sich jemand im 21.Jhdt. vorstellen, dass ein öffentlicher Platz in Österreich nach Adolf Hitler benannt wird?

Wir könnten mit einem Gewinnspiel anfangen: Wer findet in kürzester Zeit die meisten Fehler?

Die Bauarbeiten wurden mit Ende Mai begonnen, zum 560. Jahrestag der Eroberung Konstantinopels. Benannt wurde die Brücke nach dem osmanischen Herrscher Yavuz Sultan Selim, der den Beinamen „der Grausame“ trägt. Aus einheitlichen Quellen wird er diesem Beinamen gerecht – seine Brüder und Neffen mussten daran glauben, da sie auf Befehl Selims hingerichtet wurden. Brudermord als Institution, aber auch Vatermord wird in der Geschichte schon zu viel früheren Zeitpunkten ausgeübt.

  • Als Beispiel fällt mir an dieser Stelle Ödipus ein, der seinen eigenen Vater tötet und daraufhin seine leibliche Mutter heiratet (allerdings in Unkenntnis).
  • Das 1. Buch Mose erzählt, wie Kain Abel erschlägt und daraufhin verbannt wird.

Yavuz Sultan Selim veranlasste natürlich die Verfolgung und Hinrichtung der Minderheiten, aus diesem Grund konnte er auch innerhalb von 8 Jahren die Fläche des Osmanischen Reiches von 2,4 Millionen Quadratkilometern auf 6,6 Millionen steigern – den Minderheiten sei Dank. Der besagte „Geschichtslehrer“ Dönmez meint wohl die Schlacht bei Caldiran, die ursprünglich gegen Safawiden gerichtet war, allerdings von den Aleviten (40.000) unterstützt wurden. An dieser Stelle bleibt auch zu erwähnen, dass das nicht der erste Krieg zwischen Sunniten und Schiiten war. Das Osmanische Reich hat in diesem entscheidenden Kampf gewonnen.

Wenn es nach dieser Auffassung geht, gab es in jedem Krieg mehrere Massenmörder – diese Frage habe ich persönlich an ihn gestellt, er konnte und wollte mir allerdings nicht antworten. Sicher nur Zufall. Der indirekte Vergleichsversuch mit Adolf Hitler ist allerdings mehr als unter der Gürtellinie, sehr unpassend und eine Beleidigung der nationalsozialistischen Opfer.

Dass es hier nicht Minderheiten geht, liegt auf der Hand. Als ein grüner Politiker ist ihm die Natur besonders wichtig, allerdings frage ich mich, wieso die Diskussion beim Namen der Brücke angesetzt wird und die abgeholzten Waldstücke nicht im geringsten thematisiert wird? Es ist auch sicherlich ein Zufall, dass versucht wird, die alevitische Gemeinde zu mobilisieren und in Richtung Wahlkampf denkend, die Stimmzettel für sich zu beanspruchen.

Occupy Gezi – Diren Gezi | Teil 1

Park

Seit über zwei Wochen sind die Begriffe Istanbul, Taksim, Gezi,  „friedliche“ Demonstranten, „Diktator“ Erdogan, kaltblütige Polizei, Tränengaseinsatz, Auftragsmorde, Festnahmen – als bloße Schlagworte – in den wahrlich glaubhaften Medien stark verankert. Unabhängig davon, dass tagtäglich dieselben Bildmaterialien und Informationen wiederholt werden, freut man sich über ausgefüllte Sendezeiten, gesetzte Zeitungsseiten, aber auch über bodenlose Propagandamittel, falls man sie natürlich entdeckt. Wir sind doch nicht ganz naiv oder?

Mittlerweile finden Proteste statt, die von allen möglichen Gruppierungen und Vereinigungen organisiert werden und das weltweit. Die ursprüngliche Problematik dreht sich um einen Park, mitten in Istanbul – eigentlich um die Bäume im Park, wenn man die ersten Demonstranten ernst nimmt. Wir halten fest, ein Stadtpark in Istanbul, namentlich genannt gezi parki. Bevor die Emotionen aufkochen, will ich den Geschichtslehrer spielen, obwohl bereits ein grüner Politiker im österreichischen Bundesrat auf eine peinliche Art und Weise an dieser Aufgabe gescheitert ist.

Ein großer Teil des Parkareals wurde knapp 400 Jahre als armenischer Friedhof benutzt, 1930 erfolgte die endgültige Zerstörung des Friedhofs, mit dem anschließenden Bau des Stadtparks, geplant von Henri Prost. Die abgetragenen Grabsteine wurden, zumindest nach einigen Quellen, für den Bau wiederverwendet. Nach einer 15-jährigen Umgestaltung hatte „unser“ Stadtpark allerdings ganz andere Flächenmaße, mit der Zeit mussten Parkflächen Hotelbauten weichen – ist die aktuelle Demonstrationswelle also gar nicht neu, sondern ein Aufleben von alten Emotionen? Schlussendlich wurden auch damals Bäume gefällt, Grünflächen abgetragen, wer hat damals die Stimme erhoben und gegen die damalige Regierung protestiert? Spätestens an dieser Stelle wird es Zeit, den damaligen Ministerpräsidenten (übrigens auch den ersten) und Vertrauten Atatürks Ismet Inönü zu erwähnen. Eröffnet wurde dieser Park mit dem Namen Inönü gezi parki. Klingelt es?

Nach dieser Erläuterung stellt sich erneut die Frage, geht es von Anfang an wirklich um die Natur und um die Bäume, oder sind andere politische Aspekte im Spiel? Die Rede ist hier nicht vom arabischen Frühling. In der Türkei ist der Frühling bald vorbei, sommerliche Temperaturen locken bereits die ersten Touristen, der türkische Sommer kommt.

#occupysummer