Die Mütter von Srebrenica – Teil 2

Meine Eltern berichten von Hilfspaketen, die für Srebrenica gesammelt und verschickt wurden. Diese Hilfspakete sollen den Menschen unter die Arme greifen, zeigen, dass viele Menschen mit ihnen mitfühlen. Dankbarkeit sieht man in den herabfließenden Tränen dieser Menschen, sie können nicht reden, wollen nicht reden – ist in diesem Moment die einzig vernünftige Wahl. Dieses Schweigen dauert, nicht bloß Wochen, nicht bloß Monate, nicht bloß Jahre – seit 18 Jahren wird geschwiegen. Durch dieses Schweigen werden Wahrheiten vergessen, die eigentlich in den Geschichtsbüchern verankert werden sollten. Zielführend ist es, die Vergangenheit aufzuarbeiten, auch wenn sie schmerzt, um sicherzustellen, dass die Menschheit darüber erfährt, was genau passiert ist, noch so kleine Details sollte man nicht vergessen.

Vujadin Popović (Oberstleutnant der Vojska Republike Srpske und Sicherheitsoffizier des Drina-Corps) wurde 2010 vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag zu lebenslanger Haft verurteilt. Laut dem Urteil war er am Tag des Massakers in Potočari an den Hinrichtungsstätten anwesend und beabsichtigte mit den Beteiligten die systematische Hinrichtung der muslimischen Bosniaken.

Dragan Jokić (Offizier und Chef der Ingenieurtruppen der Zvornik-Brigade) gehörte zu den Befehlsempfängern, mit keinerlei Befehlsgewalt. Er war für die Entsendung der Bagger und Erdbaumaschinen verantwortlich, die für die Errichtung der Massengräber notwendig waren. Verurteilt wurde er zu 9 Jahren Haft, jedoch nicht wegen Mordes im Sinne von Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Vidoje Blagojević (Kommandant der Brigade von Bratunac) gab am 5. Juli den Befehl, die Schutzzone von Srebrenica anzugreifen, als Beginn der folgenden Grausamkeit. Verurteilt wurde er wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verletzung internationaler Gesetze zum Schutz der Zivilbevölkerung zu 15 Jahren Haft.

Radislav Krstić (Kommandant des Drina-Korps der Vojska Republike Srpske) war für das Gebiet zuständig, in der auch das Massaker von Srebrenica stattfand. Er wurde wegen Völkermord, Verfolgungen in Form von Mord, grausame und unmenschliche Behandlung, Terrorisierung der Zivilbevölkerung, Zwangsumsiedlung und Zerstörung von persönlichem Eigentum von bosnischen Muslimen und Morde in Verletzung der Gesetze oder Gebräuche des Krieges schuldig gesprochen und zu 35 Jahren Haft verurteilt.

Treibende Kraft des Mordunternehmens.

Ljubiša Beara (Sicherheitschef des Generalstabs der Vojska Republike Srpske) gilt als einer der führenden Hände, die maßgeblich am Massaker von Srebrenica mitgewirkt haben. Laut Urteil hat er nicht nur die Verbrechen verübt, sondern auch geplant und angestiftet, gemäß seiner Position Anweisungen erteilt und Behilfe bei der Vorbereitung und Ausübung geleistet – eine lebenslängliche Haft.

Die Rosen von Sarajevo

Der anfängliche Zerfall der sozialistisch angehauchten Föderation Jugoslawien führte dazu, dass die Spannung zwischen den von unterschiedlichen Ethnien bewohnten Gebieten immer größer wurde, besonders in Bosnien und Herzegowina. Dieser sogenannte Bosnienkrieg, der zwischen 1992 und 1995 stattfand, führte in dieser Zeit unter anderem auch zur Belagerung Sarajevos. Während sich ein großer Teil der Serben für einen Verbleib in der Föderation einsetzte, wirtschafteten beispielsweise die Bosniaken in Richtung Unabhängigkeit. Das Referendum über die Unabhängigkeit der Republik Bosnien und Herzegowina entfachte die Auseinandersetzung, gefolgt von der Anerkennung dessen durch westliche Staaten.

etničko čišćenje

Der Bosnienkrieg, die ethnischen Unabhängigkeitskämpfe und die nationalistischen Gruppierungen – der gesamte Zeitraum wird vom Begriff der ethnischen Säuberungen beschattet. Es war nicht die erste ethnische Säuberung, vermutlich auch nicht die letzte. Der Verlauf der Türkenkriege oder der kaltblütige Feldzug von General Lothar von Trotha in Namibia.

Im April 1992 begann die Belagerung von Sarajevo durch die bosnischen Serben und war mit der Dauer von 1425 Tagen die längste Belangerung des 20. Jahrhunderts. Als eine weitere Anstachelung ist der Angriff des bosnischen Soldaten Ramiz Delalić zu werten, der auf einer Hochzeit um sich schoss, damit auch den Serben Nikola Gardovic in den Tod riss.

Bombardiert sie, bis sie wahnsinnig werden.

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Occupy Efgani – Demokratisierung seiner Meinung

Die Forderung von Grundrechten und einer Demokratisierung seitens der türkischen Regierung prägt seit Wochen die österreichische Medienlandschaft. Einige Vereine hüpfen auf den dahinrollenden Zug, wollen Medienpräsenz zeigen und auf sich aufmerksam machen. Doch nicht nur Vereine, viele Parteien haben sich auch schon mobilisiert – einige treten geschlossen auf, unterstreichen die Parteiinteressen, andere wiederum wirken gegeneinander. Ein „grüner“ Politiker macht auf sich aufmerksam, seine vergangenen Versuche in den letzten paar Wochen sind leider gescheitert, auch ihm will man den Erfolg gönnen. Wir freuen uns mit dir Efgani.

Efgani Dönmez, ein bereits bekannter Freizeithistoriker, hat sich in den letzten Wochen auf seiner (öffentlich zugänglichen) Facebookseite besonders durch seine Hetzkampagnen und einseitig religiös verfassten Stellungnahmen ausgezeichnet. Die meisten Politiker vergessen meistens nach getätigten Aussagen bereits wieder den Inhalt, auch Efgani.

Ein Zitat aus einem Interview, veröffentlicht in den OÖNachrichten, vom 13. Juni 2013.
OÖN Efgani Dönmez

Ich fühle mit den Demonstranten, weil ich mit ihnen viele Werte teile: Auch ich habe eine säkuläre und liberale Grundeinstellung.

Wir fühlen alle mit Demonstranten, die friedlich ihre Meinung kundtun wollen, schlussendlich leben wir im Zeitalter der Meinungsfreiheit – wir kommen darauf zurück. Auch wenn wir andere Meinungen nicht teilen können, sind wir verpflichtet, diese zu respektieren. Eine Demonstration hat Erfordernisse, wie auch Schranken und das nicht nur in Österreich. Als Austro-Türke fühle ich auch mit ihm, er scheint unter einer Identitätskrise zu leiden, zwischen Österreich und der Türkei. Pardon, dem alevitischen Teil der Türkei. Ein Mann seiner Größe, der sich für Meinungsäußerungsfreiheit einsetzt, dies auch noch groß auf seiner (öffentlich zugänglichen) Facebookseite posaunt, kann sich doch kein Fauxpas leisten, quasi ein Eigentor?

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