Die Rosen von Sarajevo

Der anfängliche Zerfall der sozialistisch angehauchten Föderation Jugoslawien führte dazu, dass die Spannung zwischen den von unterschiedlichen Ethnien bewohnten Gebieten immer größer wurde, besonders in Bosnien und Herzegowina. Dieser sogenannte Bosnienkrieg, der zwischen 1992 und 1995 stattfand, führte in dieser Zeit unter anderem auch zur Belagerung Sarajevos. Während sich ein großer Teil der Serben für einen Verbleib in der Föderation einsetzte, wirtschafteten beispielsweise die Bosniaken in Richtung Unabhängigkeit. Das Referendum über die Unabhängigkeit der Republik Bosnien und Herzegowina entfachte die Auseinandersetzung, gefolgt von der Anerkennung dessen durch westliche Staaten.

etničko čišćenje

Der Bosnienkrieg, die ethnischen Unabhängigkeitskämpfe und die nationalistischen Gruppierungen – der gesamte Zeitraum wird vom Begriff der ethnischen Säuberungen beschattet. Es war nicht die erste ethnische Säuberung, vermutlich auch nicht die letzte. Der Verlauf der Türkenkriege oder der kaltblütige Feldzug von General Lothar von Trotha in Namibia.

Im April 1992 begann die Belagerung von Sarajevo durch die bosnischen Serben und war mit der Dauer von 1425 Tagen die längste Belangerung des 20. Jahrhunderts. Als eine weitere Anstachelung ist der Angriff des bosnischen Soldaten Ramiz Delalić zu werten, der auf einer Hochzeit um sich schoss, damit auch den Serben Nikola Gardovic in den Tod riss.

Bombardiert sie, bis sie wahnsinnig werden.

Diese und ähnliche Befehle kamen von Radko Mladić, der sich als bosnisch-serbischer General mit etlichen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit rühmte. Am 5. April 1992 richten Heckenschützen aus dem Holiday Inn-Hotel (war damals der Sitz der Serbisch Demokratischen Partei – SDS – von Karadžić) eine bosnische Studentin und eine Kroatin hin, die sich bei einer Demonstration engagiert haben. Nach Ermittlungen nehmen die bosnischen Polizisten mehrere mutmaßliche serbische Täter fest, im Gegenzug stürmt das serbische Paramilitär die Polizeistation, nimmt Geiseln und erzwingt so die Freilassung der Täter. Der Beginn einer menschenunwürdigen Zeit verabschiedet jegliche Wertehaltung. Die Wirtschaft bricht ein, die Stromversorgung leidet unter dem Krieg und das Wasser wird knapp. Der Höhepunkt des Krieges veranlasst die Menschen in Kellern zu leben, viele Menschen sind gezwungen, alles zurückzulassen, um ihr Leben zu retten.

Sniper Alley hört sich an, wie eine Position in Counter Strike, einem Ego-Shooter Computerspiel – wurde allerdings zur Realität. Entlang der Hauptverkehrsstraße Zmaja od Bosne verschanzten sich Heckenschützen, um wahllos auf Fahrzeuge und Passanten zu schießen. Das Holiday Inn-Hotel wurde von Anfang an zur Todeszone erklärt. Täglich schlugen über 300 Granaten in Sarajevo ein, eine nicht realisierbare Ziffer. Am 23. Juli 1992 ist die Zahl mit über 3500 Granaten beziffert. Die Granaten explodieren nicht nur auf befahrenen Straßen, sondern auch auf Marktplätzen, wo besonders viele Menschen sterben mussten.

Ein Tunnel als Lebensretter.

Nachdem Sarajevo umkesselt war, wurde die Idee geboren, einen Tunnel zu errichten. Nicht primär um zu flüchten, sondern um die Versorgung an Lebensmitteln, Munition und Waffen wiederherzustellen. Der 800 Meter lange Verbindungsweg, der unter dem Flughafengelände errichtet wurde, war die Nabelschnur der Einwohner.

Am 9. Februar 1994 fordert die Nato von den Serben, schwere Waffen im Umkreis von 20 Kilometern von Sarajevo zurückzuziehen. Drei Monate fühlt sich die Nato erneut verpflichtet, einzugreifen, indem sie auch Stadt Sarajevo zur Schutzzone erklären. Doch die erwartete Ruhe bleibt aus. Nach weiteren monatelangen Auseinandersetzungen, mittlerweile auch mit der Nato, startet diese die Operation Deliberate Force, ein intensiver militärischer Einsatz zur Vernichtung von serbischen Kasernen, Munitionsdepots und Luftabwehrstellungen. Am 14. Februar wurde schlussendlich der Dayton-Vertrag unterzeichnet. Das Friedensabkommen beschließt die Zusammensetzung Bosnien-Herzegowinas aus zwei Verwaltungseinheiten, die bosniakisch-kroatische Föderation und die Republika Srpska.

Mittlerweile ist Sarajevo wieder aufgebaut, eine prächtige Stadt, unter internationaler Beobachtung. An den Bosnienkrieg erinnern viele Aspekte, aber vorallem die Rosen von Sarajevo – eine moderne Form einer Gedenkstätte, die an die damaligen Granateneinschläge erinnern. Da die Granaten auf dem Asphalt Spuren hinterlassen haben, wurden diese mit rotem Harz gekennzeichnet, deren Form und Farm an eine Rose ähnelt.

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