Quo vadis Aegyptus – Teil 1.

RamsestempelSeit Jahren spricht man von einer politischen Instabilität im arabischen Raum, einer der betroffenen Staaten ist Ägypten. Der arabische Frühling forderte viele Opfer, nicht nur tote Demonstranten, sondern auch viele politische Gefangene. Mit dem Rücktritt von Muhammad Husni Mubarak schien alles besser zu werden, doch der Schein trügt. Davon betroffen sind die Menschen, deren Psyche in dieser Zeit in Mitleidenschaft gezogen wurde – viele Menschen leiden unter Angstzuständen und emotionalen Störungen. In Kairo versuchen die geängstigten Menschen die Stadtmitte zu meiden, die großen Geschäfte bleiben für die ägyptischen Unternehmen aus, stattdessen nützen Straßenhändler diese Situation und freuen sich über die hohen Einnahmen, dank ihrer Mobilität.

Ägypten ist das Land der Revolte und der Widersprüche. 1952 wurde die Monarchie von einer Revolution gestürzt, seitdem war Mohammed Mursi der fünfte Präsident, allerdings mit der kürzesten Amtszeit.

3. Juli 2013. 21:00. Unter Jubel und Freude wurde von Armeechef und Verteidigungsminister Abdelfattah al-Sisi verkündet, dass die Ära des Schreckens vorbei ist, der bisherige Präsident sei abgesetzt worden. Der Präsident des Verfassungsgerichtes Adly Mansur wurde wenige Stunden nach dem Sturz von Mohammed Mursi als Interimspräsident mit der Aufgabe betraut, die Politik des Militärs umzusetzen. Die jetzige Lage erinnert an frühere Zeiten – das strittige Thema um die Stellung der Muslimbrüder, ihrerseits eine stark islamistisch verankerte Bewegungsgruppe, die in ihrer Amtszeit in rasender Eile eine neue Verfassung aufgesetzt haben, die mittlerweile wieder außer Kraft gesetzt worden ist. Während der Interimspräsident die Muslimbrüder aufruft, sich als Teil der Bevölkerung einzubringen, spricht sich die Opposition klar dagegen aus, um die bisher begangenen Fehler nicht zu wiederholen.

Hier stellt sich die Frage, was als Fehler gewertet werden kann, die Schritte der Demokratisierung oder der Rückfall in alte Verhaltensmuster, im Sinne einer alten Militärregierung, wie auch vor einiger Zeit in der Türkei – doch spielt hier die Säkularisierung keine Rolle? Für die Vergesslichen unter uns: die Bevölkerung feiert das Militär, obwohl sie vor nicht allzu langer Zeit gegen das Militär und die Autokratie demonstriert haben – alte Freunde, gute Feinde. Der arabische Frühling ist bereits vorbei, den Frühlingsduft kann man kaum wahrnehmen, folgt jetzt die Blütezeit? Soweit bin ich mir sicher, selbst die hochrangigen ägyptischen Spitzenpolitiker wissen das nicht.

Demokratie unter Beschuss. Mohammed Mursi stellt sich bei Unwetter unter das Dach der Demokratie, erhält 51,7 Prozent aller Stimmen, wird allerdings nach knapp einem Jahr gestürzt – die Bevölkerung will wieder eine ruhige, von Ängsten befreite, aber auch eine gut kontrollierte Zukunft. Fast 64 Prozent der Bevölkerung haben sich bei einer Volksabstimmung Mitte Dezember für die neue Verfassung ausgesprochen – im Grunde genommen sehr ausdrucksstarke Zahlen, vermutlich war das die Euphorie einer anfänglichen Demokratie. Dass die Demokratie durch die Ereignisse der letzten Jahre nicht mehr sattelfast als die wahre Lösung angesehen wird, kann man den Unruhestiftern danken, die sich daran bereichern wollten, allerdings keine demokratischen Ziele verfolgt haben. In Erinnerung ist der 22. November 2012 geblieben, als der Präsident seine Entscheidungen durch einen Verfassungszusatz unanfechtbar gemacht hat.

Die schlechte wirtschaftliche Lage in Ägypten hat die Bewegung gegen Mohammed Mursi gestärkt. Die Gesellschaftsschichten, die sich politisch weder engagieren, noch interessieren, protestieren mit der Masse, weil die Unzufriedenheit eine große Rolle spielt. Der Opposition ist es gelungen, genau diese apolitischen und unzufriedenen Menschen zu mobilisieren, obwohl sie weder gegen den alten Präsidenten, noch gegen die Muslimbrüder waren. Doch die Proteste sollten nicht nur dem Präsidenten gelten – genau genommen ist auch der Präsident eine gut geleitete Figur des Militärs. Unterstreichen sollte man an dieser Stelle, dass jeder eigene Interessen verfolgt. Das Militär hat auch die Oberhand an der Wirtschaft, aus welchem Grund wird nur die jetzige „Regierung“ zur Rechenschaft gezogen? Schlussendlich bleibt die Angst auf der Hand, dass die hohen Staatsausgaben für das Militär nicht mehr gedeckt werden können.

Somit beschützt das Militär sich, bloß als Institution. Muss das nicht gefeiert werden?

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