Yugoslavia goes EU

Jugoslawien
Kroatien. In genau einer Woche wird Kroatien der Europäischen Union beitreten, als 28. Mitglied, nur mehr 7 Tage. Bei einigen kroatischen Freunden ist die Freude riesengroß, schlussendlich war es ein langer und aufwendiger Weg der Reformen, doch wer glaubt, dass alles bereit ist, täuscht sich. Die eigentliche Arbeit beginnt erst, sobald neue Investoren wieder die Wirtschaft ankurbeln. Doch mangelt es nur an Geld?

Vieles Gesetzesanpassungen und -abänderungen wurden durchgeführt, um die Gesetzeslage europakonform abzeichnen zu können. Das Land und die Bürger schaffen es allerdings nicht, den Gesetzen nachzukommen, regelrecht überfordert. Kroatien wurde an vielen Ecken gleichzeitig saniert, die in Brüche gegangenen Gebäude in den Städten oder die Wirtschaft, die zu einem großen Teil in staatlicher Hand ist, die anfängliche Europhorie ist abgeklungen, die Arbeiten erfolgen halbherzig und inkonsequent. Der Krieg ist auch an Kroatien nicht spurlos vorbeigegangen, während die Aufbauarbeiten in Zagreb bemüht vorangeschritten sind, werden kleinere Städte vernachlässigt, sodass heute noch verwüstete Städte auffindbar sind. Geblieben sind nicht nur Wunden und Ruinen, sondern auch Konflikte mit anderen ehemaligen jugoslawischen Minderheiten, die zwar auf Papier gelöst, in der Praxis leider weit davon entfernt sind. Die gesellschaftliche Kluft zwischen Kroaten und den Minderheiten wird größer – Schulen sind getrennt, sogar ganze Stadtteile.

Die Privatisierungsversprechen werden nur langsam eingelöst, wo bleibt die geballte jugoslawische Kraft, alles anzupacken. Stattdessen investieren österreichische Unternehmen weiterhin in Kroatien – mit knapp sieben Milliarden Euro genießt Österreich einen privilegierten Partnerstatus. Während die Privatisierung der ehemaligen jugoslawischen Betriebe nur langsam voranschreitet, etablieren sich neue Märkte, die für ausländische Firmen besonders interessant sind.

Doch auch die Investoren schrecken zurück, sobald sie die noch aktuellen Probleme rund um die Korruption entdecken. Die Rechtssicherheit lässt zu wünschen übrig, einer der grundlegendsten Punkte eines Rechtsstaates.

Albanien. Die Sozialdemokraten und die Demokraten sind sich einig, Albanien soll sich den Weg in die EU ebnen – allerdings bemerken sie nicht, dass sie sich ständig gegenseitig blockieren und somit der Fortschritt auf sich warten lässt. Im Terminkalender war das Jahr 2014 blau markiert mit der Randnotiz „EU-Beitritt“, doch dieser Zeitplan ist nicht mehr einzuhalten.

Montenegro. So wie in weiten Teilen des Balkanländer ist auch Montenegro von Korruption geprägt. Bezahlt werden die Korruptionsaffären allerdings in Euro, da Montenegro, ohne Teil der Währungsunion zu sein, nur noch Euro als Währung akzeptiert. Bis 2005 noch im Staatenbund mit Serbien, ist die Regierung bemüht, schnell und interaktiv zu agieren, um schnellstmöglich die noch notwendigen Anpassungen vorzunehmen, damit einer Mitgliedschaft nichts mehr im Weg steht.

Serbien. Als Zicke vom ehemaligen Jugoslawien hat es Serbien nicht leicht – die stetige Blockade um die Akzeptanz Kosovos hat jahrelang Beitrittsverhandlungen unmöglich gemacht. Slobodan Milosevic wurde vor 13 Jahren gestürzt, doch der Durchbruch in Richtung Demokratisierung des Landes lässt auf sich warten. Brüssel hat die positive Integration der Nachbarstaaten und somit auch der ehemaligen Kriegsgegnern als Bedingungen gemacht. Im April kam es schlussendlich zum Abkommen zur Normalisierung des grenzüberschreitenden Alltags zwischen Serbien und Kosovo, die Anerkennung wird weiterhin abgelehnt. Die Meinung des Vizepremiers Alexander Vucic zum EU-Beitritt „Nicht weil wir diesen nötig, sondern weil wir ihn verdient haben.“ ist doch etwas eigen.

Bosnien-Herzegowina. Als ein Land des migrativen Zusammenlebens mehrerer Völker sollte Bosnien-Herzegowina als Vorzeigeprojekt eigentlich die Sympathie vieler Menschen genießen. Muslimische Bosniaken, katholische Kroaten und christlich-orthodoxe Serben leben vereint, die Minderheiten werden stets diskriminiert und in ihren Rechten eingeschränkt. Nicht umsonst gilt die Bevölkerungsstruktur dieses Landes als kompliziert und problematisch, obwohl Bosnien-Herzegowina damals als sehr tolerant galt, doch der Krieg hat auch hier seine Spuren hinterlassen – die Gesellschaft, die multikulturell und vielschichtig war, wurde beinahe vollständig zerstört.

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