Türkei, Erdogan und Alkohol

Erdbeer in ProseccoHeutzutage lässt man sich entspannt von der Medienlandschaft blenden, anstatt sich selbst Wissen anzueignen, von zuverlässigen Quellen, so auch die gut informierten Menschen, die Erdogan mit einem Alkoholverbot in Verbindung bringen. Erdogan soll hier in diesem Fall keineswegs beschützt werden, noch von mir assistiert, noch arbeite ich in seiner Presseabteilung – doch Unwissen macht mich allergisch. In diesem Fall ist Unwissen falsch, eher ein falsches Wissen, gehört vom Nachbarn, weitergegeben an die Freunde. Prost, auf Erdogan, angestoßen wird natürlich mit Raki, um 23:30. Doch wo sollen wir kurz vor Mitternacht Raki einkaufen?

Doch bevor die Reise in die weite Ferne geht, bleiben wir vorerst in Europa, die Nachbarländer laden uns herzlichst ein. Die Reise geht nach Deutschland, unserem Lieblingsnachbarland, in Fußball kann Österreich dem „großen Bruder“ nur nacheifern, in anderen Bereichen ist es allerdings genau umgekehrt. In Baden-Württemberg ist seit 1. März 2010 der nächtliche Verkauf von Alkohol an Tankstellen, Supermärkten und Kiosken verboten. Genau genommen ist der Zeitraum zwischen 22.00 und 05.00 betroffen. Als Grund gab Innenminister Heribert Recht (CDU) an, dass dadurch der übermäßige Alkoholkonsum gedämpft und dadurch nächtlichen Aggressions- und Gewaltszenen ein Ende gesetzt wird. Auch am Nürnberger Hauptbahnhof ist es verboten, in den Nächten vor Samstag und Sonntag und vor Feiertagen Alkohol zu konsumieren. In Deutschland wurden viele weitere Alkoholverbotszonen ins Leben gerufen, die zu einem großen Teil die öffentlichen Plätze abdecken. Dass diese Verbotszonen vor Gericht anfechtbar sind, hat uns bereits die Vergangenheit gezeigt, wie zum Beispiel HIER.

Unsere Reise geht weiter, weiter nördlich, diesmal nach Schweden. Auch wenn der 7. Juni 2013 für sie ein schwarzer Tag war und sie seitdem auf Österreich nicht sonderlich gut anzusprechen sind – Schweden hat ein strenges Konzept, was den Verkauf von Alkohol bekommt. Hochprozentiges (> 3,5%) bekommt man nur in Systembolaget, sprich, nach Ladenschluss ist Schluss. Danach besteht noch die Möglichkeit an Tankstellen oder in Supermärkten Bier (folköl) oder Cider (max. 3,5%) erwerben. Der Verkauf von alkoholischen Getränken ist ein Staatsmonopol.

Von Schweden dauert die Reise nach Norwegen nicht mehr lang. In Norwegen ist die Situation ähnlich wie im Nachbarland. An Wochentagen wird nur zwischen 08.00 Uhr und 20.00 Uhr Alkohol verkauft, am Samstag nur bis 18.00 Uhr. Feiertage, Sonntage und Wahltage sind vom Verkauf ausgeschlossen. Hochprozentiges (> 4,5%) findet man im Vinmonopolet, ähnlich dem Systembolaget.

Viele sprechen von einem Alkoholverbot, verhängt von Erdogan. Dabei geht es einerseits um den nächtlichen Verkauf von Alkohol, zwischen 22.00 und 06.00 und andererseits um den Alkoholkonsum in unmittelbarer Nähe einer Moschee. Die Kritiker punkten mit dem Argument der schleichenden Islamisierung, da die Regierung anscheinend islamisch-konservative Werte aufzwingen will, Efgani würde sagen, salonfähig machen. Würde das heißen, wenn wir uns die vorher genannten Beispiele ansehen, dass diese Länder schleichend islamisiert werden? Norwegen wird zukünftig von islamisch-konservativen Werten geprägt werden, in Schweden werden die Glocken abmontiert, stattdessen ruft der Muezzin zum Gebet und das fünfmal am Tag.

Der Gedanke einer Alkoholbeschränkung als Zweck ist keinesfalls zu verwerfen, den Gesetzesentwurf wird man sicherlich noch überarbeiten müssen, doch für die Kritiker ist das Thema natürlich ein Geschenk Gottes, Islamophobie lebt wieder auf.

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