Occupy Efgani – Demokratisierung seiner Meinung

Die Forderung von Grundrechten und einer Demokratisierung seitens der türkischen Regierung prägt seit Wochen die österreichische Medienlandschaft. Einige Vereine hüpfen auf den dahinrollenden Zug, wollen Medienpräsenz zeigen und auf sich aufmerksam machen. Doch nicht nur Vereine, viele Parteien haben sich auch schon mobilisiert – einige treten geschlossen auf, unterstreichen die Parteiinteressen, andere wiederum wirken gegeneinander. Ein „grüner“ Politiker macht auf sich aufmerksam, seine vergangenen Versuche in den letzten paar Wochen sind leider gescheitert, auch ihm will man den Erfolg gönnen. Wir freuen uns mit dir Efgani.

Efgani Dönmez, ein bereits bekannter Freizeithistoriker, hat sich in den letzten Wochen auf seiner (öffentlich zugänglichen) Facebookseite besonders durch seine Hetzkampagnen und einseitig religiös verfassten Stellungnahmen ausgezeichnet. Die meisten Politiker vergessen meistens nach getätigten Aussagen bereits wieder den Inhalt, auch Efgani.

Ein Zitat aus einem Interview, veröffentlicht in den OÖNachrichten, vom 13. Juni 2013.
OÖN Efgani Dönmez

Ich fühle mit den Demonstranten, weil ich mit ihnen viele Werte teile: Auch ich habe eine säkuläre und liberale Grundeinstellung.

Wir fühlen alle mit Demonstranten, die friedlich ihre Meinung kundtun wollen, schlussendlich leben wir im Zeitalter der Meinungsfreiheit – wir kommen darauf zurück. Auch wenn wir andere Meinungen nicht teilen können, sind wir verpflichtet, diese zu respektieren. Eine Demonstration hat Erfordernisse, wie auch Schranken und das nicht nur in Österreich. Als Austro-Türke fühle ich auch mit ihm, er scheint unter einer Identitätskrise zu leiden, zwischen Österreich und der Türkei. Pardon, dem alevitischen Teil der Türkei. Ein Mann seiner Größe, der sich für Meinungsäußerungsfreiheit einsetzt, dies auch noch groß auf seiner (öffentlich zugänglichen) Facebookseite posaunt, kann sich doch kein Fauxpas leisten, quasi ein Eigentor?

Efgani Facebook Kommentar

Jeder hat die Möglichkeit sich auf meiner eigenen Seite über mich und meine Politik auszulassen […] Ich stehe zu meiner politischen Haltung und der säkularen- laizistischen Grundeinstellung […] Ich stehe zu meiner Herkunft, zu meinem Mutterland, mehr als jeder andere.

Dann kann ich mir allerdings nicht erklären, aus welchem Grund soviele Leute, die nicht seiner Meinung sind, mit der Zeit von seiner Freundesliste gelöscht und/oder blockiert werden? Die Kritikoffenheit spiegelt wohl die Situation in der Türkei wieder. Die Hetzkampagnen richten sich auch gegen die Zensur in den Medien, doch der kritikoffene Politiker offenbart sich als Moralprediger.

Efgani Facebook Beitrag

Die säkular eingestellte Zivilbevölkerung […] brauchen unsere Unterstützung, die Türkei darf bei der Demokratisierung nicht alleine gelassen werden […]

Viele Parteien und Politiker haben Lieblingswörter, die FPÖ pflegt das Wort „Deutschkurs“ sooft es geht zu erwähnen, obwohl die eigenen Mitarbeiter selbst aufbauende Deutschkurse besuchen sollten, wenn man die offiziellen Facebookbeiträge der Zweigstellen beachtet oder die Anzeigen in den Zeitungen. Efgani Dönmez scheint alle Wortzusammensetzungen rund um „säkulär“ zu lieben, meistens in zusammenhangsloser und falscher Bedeutung, als würde er die Bedeutung noch nicht vollständig verstanden haben.

Die türkische Zivilbevölkerung, die säkulär eingestellt ist, hat natürlich mehrheitlich die Partei AKP gewählt, die sich auch als säkulär bezeichnet. Mich würde vielmehr interessieren, welche Studien für solche qualifizierte Aussagen herangezogen werden oder besteht die Möglichkeit, ein Verfolgungssyndrom in Aussicht zu haben?

OÖN Efgani Dönmez

Ein wahrlich talentierter Mensch, nicht nur Politiker, sondern auch Freizeithistoriker, seit einigen Tagen ist er auch Leiter von noch unbekannten Studien, die absolut der Wahrheit entsprechen. Hut ab. Als Säkularisierungsstatue schlechthin eine gewagte Aussage, wie alle anderen auch, wenn wir uns überlegen, dass er die Meinung von Minderheiten vertreten, jedoch so nicht kennzeichnen will. Wie eine Demonstration in Linz abgelaufen ist, bestätigen mehrere hochgeladene Fotos, die auf zahlreichen Portalen zu finden sind. Personen, die auf Holzstöcken das Abbild Abdullah Öcalans oder die kurdische Flagge tragen, protestieren gegen die Abholzung von Bäumen im Gezi Parki. Sollen sie doch froh sein, schlussendlich können sie in baldiger Zukunft mit mehr als nur geschätzten 20 Holzstöcken protestieren. Oder protestieren sie gegen die Polizeigewalt, weil kurdische Extremisten in der Türkei davon betroffen sind? Oder gegen die Türkei, die in den letzten Jahren für die Integration und Anerkennung der Kurden mehr getan hat, als in den letzten 100 Jahren?

Als hätte diese Demonstration in dieser Darstellung irgendetwas bewegt, als hätten die Österreicher verstanden, dass sie mit kurdischen Flaggen den Demonstranten in der Türkei mit türkischer Flagge beiwohnen wollen. Efgani Dönmez bedankt sich natürlich daraufhin bei der Hauptgruppe seiner Wähler.

Efgani Facebook Beitrag

[…] wenn die Devisen und sonstigen Vermögen der Auslandstürken abgezogen wird.

Einer der besten Ideen bisher, die Türkei im allzu „wunden Punkt“ anzugreifen, die Wirtschaft. Durch die Wirtschaftssanktionen werden ungewollt die Armen angegriffen, denen es bereits schlecht geht. Diejenigen, die eigentlich davon betroffen sein sollten, haben bereits vorgesorgt, das müsste der Freizeithistoriker sicherlich wissen.

Efgani Facebook Beitrag

5000 One-Way-Tickets und keiner würde denen nachweinen…

Hier sehen wir plötzlich einen Bruch in seinem Stil. Es wurden doch soviele säkuläre Beiträge auf der (öffentlich zugänglichen) Facebookseite veröffentlich, die den Demonstranten Mut geben und sie dabei unterstützen sollten. Eine Nacht schlecht geschlafen und plötzlich will man sich von den Demonstranten per One-Way-Ticket verabschieden? Stellt sich nur damit die Frage, ob damit eine Abschiebung gemeint ist oder die Polizeigewalt in der Türkei gemeint ist – ich kann und will eine solch von Niveau verlassene Aussage nicht deuten. Der Traum einer vollständigen Demokratie ist jetzt sicherlich auch seinen letzten Stimmgebern geplatzt, die diese Nachricht gelesen haben – wobei bei manchen die Fehlermeldung „NO TARGET“ kommen würde.

Die grüne Parteiführung distanziert sich von seinen Beiträgen und Aussagen, bekommt jeder von einer anderen Partei Applaus, der FPÖ. Steht hier ein Hauswechsel bevor?

Unabhängig davon, für welche Partei man agiert, sollte man seinen Grundgedanken treu bleiben, sonst werden einem die widersprüchlichen Aussagen auseinandergenommen. Genauso ist es enorm von Bedeutung, wie man auch hier leider sieht, dass man die Grundzüge des österreichischen Rechts überblicksmäßig kennen sollte. Dazu gehören auch die Grundrechte, dazu wiederum die Versammlungsfreiheit. Die Versammlungsfreiheit umfasst aber nicht nur Versammlungen, die der Meinungs Efganis sind.

Efgani Kommentar

Sollte das jetzt der erste Schritt in Richtung Einsicht sein oder ist hier die Rede von anderen Personen, die ihn auf seiner (öffentlich zugänglichen) Facebookseite kritisieren?

Efgani Kommentar

Als Gegenüberstellung die Stellungnahme von Stefan Wallner, grüner Bundesgeschäftsführer.
Stefan Kommentar

Frage: Wer hat was nicht richtig verstanden? #occupyefgani

1 Comment Occupy Efgani – Demokratisierung seiner Meinung

  1. Pingback: Occupy Efgani – Der Tag danach. › Anders_

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *