Gastarbeiter – Ein Mensch als Gast

FarbenIm direkten Verhältnis zu Gastarbeitern stehend liegt es offensichtlich auf der Hand, dass sich viele Bürger des damals werbenden Staates nicht mit dem Begriff des „Gastarbeiters“ anfreunden kann. Die damaligen Gäste sind mittlerweile Staatsbürger, aber erläutern will ich primär die Lebenssituation der türkischen Gastarbeiter in Österreich. Viele dieser „Gastarbeiter“, die man auch „Zeitarbeiter“ nennen könnte, sind nicht gekommen, damit sie dann in diesem Land bleiben. Die Lebensumstände haben nach der Frage der Integration und Anpassung gedrängt, denn einige Jahr nach der Ankunft wurde klar, der Lebensmittelpunkt wandert mit der Zeit immer mehr nach Österreich.

Die Gastarbeiterwanderung steht im historischen Konnex mit dem Wiederaufbau der österreichischen Wirtschaft gegenüber. Der Marshallplan, offiziell European Recovery Program, bescherte eine ausländische Wirtschaftshilfe in hohen Summen, weswegen auch gegen Ende der fünfziger Jahre das Wirtschaftswachstum kaum zu bremsen war, mit einer stetigen und konstanten Steigung. In den sich neu bildenden Industriestaaten wuchs die Nachfrage an Arbeitskräften – in dieser Zeit wurde auch die Infrastruktur, speziell der Fernverkehr, revolutioniert. Der Ruf nach zusätzlichen Arbeitskräften wurde immer lauter, die erste Geburtsstunde der neuen Gastarbeiter, da sich die Aufgabe der Frauen auf die Erziehung der Kinder beschränken sollte.

Fahrt doch zurück, wenn die Heimat so schön, toll und einladend ist.

Es ist nicht das erste, bestimmt auch nicht das letzte Mal, dass man sowohl von einigen österreichischen Politikern, als auch von den Mitmenschen mit dieser Aussage konfrontiert wird. Meistens folgt diese Aussage auf die Beantwortung der Frage, wie man die Heimat wahrnimmt oder in Erinnerung hat. Den wahren Hintergrund, wieso damals die Gastarbeiter der ersten Generation nach Österreich gekommen sind, wissen die wenigsten Personen, in dieser Masse ist auch ein grüner Politiker, der sich integrativ für die Migranten einsetzt, bloß um die Wählerstimmen abzusahnen – zumindest bis vor ein paar Wochen.

1964 und 1966 erfolgten Abkommen über das Anwerben von Arbeitskräften zwischen der Republik Österreich und der Türkei bzw Jugoslawien. Zum aktiven Anwerben von Gastarbeitern wurden in den jeweiligen Staaten Büros errichtet, geleitet von der österreichischen Wirtschaft. Das geplante Rotationsprinzip versagte, wonach ein neuer Gastarbeiter einen alten ersetzen soll, wenn die Zeit für die Rückkehr gekommen ist. Ein wichtiger Aspekt wurde vernachlässigt: der Familiennachzug. Der stetige Zuwachs an Gastarbeitern erreichte Mitte der 70er Jahre eine Wende – damit die niedrige Arbeitslosenrate beibehalten werden kann, wurden die Gastarbeiterstellen kontinuierlich abgebaut, um inländischen Arbeitern den Arbeitsplatz zu sichern.

Die Arbeitsmarktpolitik ist in der Türkei allerdings etwas weniger durchdacht konzipiert. Die Urbanisierungsbewegungen fanden erst gegen Ende der 50er Jahre, sodass die Bevölkerung, die nicht mehr nur von der Landwirtschaft leben konnten, auf der Suche nach Ballungsräumen war. Der Osten des Landes wurde verlassen, um im industriell besser besetzten Westen Arbeit zu finden. Mit der ländlichen Herkunft ist die damalige niedrige Qualifikation der ArbeitsmigrantInnen im direkten Zusammenhang. Doch die steigende Arbeitslosigkeit in der Türkei und die errichteten Anwerbebüros leisteten gute Zusammenarbeit, der Deal war von Beginn an klar – Arbeit gegen Heimat.

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